Wie fährt man Tretroller – Die richtige Technik

Tretroller sind dankbare Gefährten. Sie machen schon am ersten Tag Spaß und vermitteln das Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit. Die richtige Technik ist dabei ein wichtiger Baustein, um sicher und effektiv vorwärts zu kommen und sollte von Anfängern schon von Beginn an berücksichtigt werden.

Anfänger Info

Du musst eigentlich gar nicht viel wissen als absoluter Beginner auf dem Tretroller, aber ein paar grundlegende Regeln helfen ungemein weiter:

  1. Die Position auf dem Tretroller ist eine andere wie auf einem Fahrrad
  2. Du stößt dich jeweils mit einem Bein ab, während das andere auf dem Trittbrett steht
  3. Du wechselst regelmäßig und gleichmäßig das Bein
  4. Es gibt verschiedene Techniken für den Trittwechsel
  5. Es gibt verschiedene Techniken für den Tritt

Das wars auch schon, los gehts! 😀

Korrekte Haltung und Position auf dem Tretroller

Auf einem Tretroller gibt es keinen Sitz, du stehst also mehr oder minder aufrecht auf seinem Gefährt (was diverse gesundheitliche Vorteile hat – siehe Wie gesund ist Tretroller fahren?). Die Position auf dem Roller wird daher in erster Linie durch die eigene Körperhaltung bestimmt!

Für jeden Typ und für jeden Fahrstil gibt es daher verschiedenste Möglichkeiten und Techniken. Grundsätzlich sei aber verraten, dass du beim Tretrollerfahren durch das Abstoßen mit dem Bein vom Boden eine etwas gebeugtere Haltung als beim Radfahren hast. Das vermindert den Luftwiderstand und ermöglicht einen effektiveren und gesünderen Tritt. Tretrollerfahren ist Ganzkörpersport! 😉

Eine einfache Grundregel lautet, dass du eine angenehme und bequeme Haltung finden musst, in der

  1. dein Rücken gerade ist und
  2. deine Arme gerade (aber entspannt) sind.

Das ist gar nicht so schwierig wie es sich anhört.

Daneben gibt es noch einen Faktor der wichtig ist und das ist die Lenkerhöhe. Diese ist aber nicht so essenziell wie auf einem Fahrrad, da sie ja nur teilweise die Haltung bestimmt.  Und auch hier gibt es eine grobe Faustformel, die einen Anhalt liefert!

  • Lenkerhöhe = Schritthöhe + 5cm

Damit kannsr du erst einmal starten und nach und nach die Lenkerhöhe seinem Fahrstil und seiner Idealposition anpassen. Am Anfang wird diese gefühlt sehr niedrige Position jedoch noch sehr ungewohnt sein und du wirst etwas brauchen, um dich an die neue Fortbewegungsart zu gewöhnen.

Mein Tipp: Mit der Faustformel starten. Und mindestens 5 mal 20 Minuten gefahren sein; frühestens danach Anpassungen der Lenkerhöhe vornehmen!

Eine gute Positionierung wird außerdem über die Stellung des Knies oberhalb des Fußes bestimmt. Dabei sollte das Knie im Idealfall über dem Ballen positioniert sein. Gehst du von hier aus in die gestreckte Bein-Position erhälst du einen guten Drehpunkt, um effektiv Vortrieb zu erzeugen. Das Knie sollte nie(!) über den Fuß nach vorne hinausragen, da du hier Gefahr läufst den Schwerpunkt zu weit nach vorne zu verlagern oder sogar gegen den Rahmen zu stoßen.

Trittwechsel

Der Vortrieb beim Tretrollerfahren wird abwechselnd durch jeweils ein Bein erzeugt. Dabei ist es wichtig, dass die Belastung gleichmäßig aufgeteilt wird. Besonders am Anfang wirst du ein “gutes” und ein “schlechtes Bein” haben. Was bedeutet, dass ein Bein kräftiger ist als das andere und die Koordination mit einem Bein besser funktioniert als mit dem anderen. Gerade der Kraftunterschied wird dabei häufig überbewertet! Anfängliche Probleme mit einem Bein liegen zu 70% in der Koordination.

Daher ist es besonders wichtig, dass beide Beine gleichmäßig belastet werden – Kraft und Koordination gleichen sich von selbst an! Hierzu braucht es nur ein wenig Training und Geduld!

Der Fußwechsel erfolgt je nach Belastungsintensität früher oder später. Während im Flachland bei guten Rolleigenschaften häufig ein Wechsel erst bei 6-10 Tritten erfolgt, wird jedes Bein im Anstieg auch schon mal nach nur 3 Antritten gewechselt. Hier kann frei variiert und die Frequenz nach persönlichem Geschmack angepasst werden (wenn sie gleichmäßig auf beide Beine verteilt wird).

Für ein ergonomisches Fortbewegen sollte ein Fußwechsel ca. alle 6-10 Tritte erfolgen. Für Anfänger alle 6.

Der Trittwechsel erfolgt auf verschiedene Arten:

Variante 1: Der Standard-Wechsel über die Ferse

Dies ist die wohl gebräuchlichste Form des Trittwechsels und relativ leicht zu lernen. Außerdem bietet dieser Wechsel eine hohe Stabilität und weniger Dynamik (und damit weniger Verletzungsgefahr). Anfänger sollten diesen Wechsel zunächst sicher beherrschen, bevor sie fortgeschrittenere Methoden trainieren!

Bei diesem Wechsel befindet sich immer mindestens 1 Fuß stabil auf dem Trittbrett. In einer kurzen Phase sogar beide. Der Tausch erfolgt über Drehen auf der Ferse des alten Fußes und Aufsetzen des Ballens des neuen Fußes. Anschließend wird der alte Fuß vom Brett genommen und darf wieder treten! Fertig!

Das ganze Schritt für Schritt:

  • Gewichtsverlagerung auf die alte Ferse
  • Herausdrehen des alten Ballens nach außen (Drehpunkt Ferse)
  • Aufsetzen des neuen Ballens auf das Brett
  • Gewichtsverlagerung auf den neuen Ballen
  • Herunternehmen der alten Ferse (und damit des gesamten alten Fußes)
  • Eindrehen der neuen Ferse (Drehpunkt Ballen)

Hört sich komplizierter an, als es ist!

Zehen runter – Zehen rauf – Zehen runter – Zehen rauf….

Ganz einfach! Ein paar mal in Gedanken durchspielen und der Ablauf wird klarer!

Mein Tipp: Trockentraining am sicheren Boden, um den Bewegungsablauf zu verinnerlichen! Dabei sollten der Bereich ungefähr 40 x 15 cm sein (kannst du gut mit Klebestreifen markieren – Edding würdest du schlecht vom Parkett wieder runter bekommen…) und es sollte nicht zu viel Reibung geben (Socken nutzen). Mit den Händen zum Beispiel am Tisch oder Stuhl stabilisieren und die Gewichtsverlagerung mit einbeziehen.

(Funktioniert wirklich – sieht aber ziemlich lustig aus – ich bin für jedes Video zu haben 😉 )

Variante 2: Der Standard-Wechsel über den Ballen

Dieser Trittwechsel ist eine Variante des Fersen-Wechsels die auch recht geläufig ist. Fallst du Probleme mit dem Fersen-Wechsel haben solltest, macht es vielleicht Sinn direkt schon hiermit zu starten.

Im Prinzip ist der Ablauf identisch, mit dem einzigen Unterschied, dass nun der hintere Teil des Tritts der Ort ist, an dem der Wechsel stattfindet. Also der gleiche Wechsel, bloß mit einem anderen Teil des Fußes.

Noch einmal im Detail:

  • Gewichtsverlagerung auf den alten Ballen
  • Herausdrehen der alten Ferse nach außen (Drehpunkt Ballen)
  • Aufsetzen der neuen Ferse auf das Brett
  • Gewichtsverlagerung auf die neue Ferse
  • Herunternehmen des alten Ballens (und damit des gesamten alten Fußes)
  • Eindrehen des neuen Ballens (Drehpunkt Ferse)

Hacken runter – Hacken rauf – Hacken runter – Hacken rauf…

Dieser Wechsel erfordert etwas mehr Beweglichkeit im hinteren Fuß und der Achillessehne, ist aber möglich. Ich persönlich würde wie gesagt zunächst mit der einfacheren Variante über die Ferse beginnen!

Variante 3: Der Sprung-Wechsel

Hast du einmal Sicherheit auf dem Tritt entwickelt und fühlst dich wohl mit deinem Gefährt, kannst du überlegen, ob du so dynamisch fährst, dass ein Sprung-Wechsel Sinn macht.

Dieser Wechsel geht schneller als die Standardvariante und unterstützt dadurch eine sportliche Fahrweise. Es gibt jedoch auch gewichtige Nachteile!

Erhöhte Verletzungsgefahr: Beim Sprung auf das Brett könnte es passieren, dass du das Brett nicht ideal triffst. Verfehlst du das Brett komplett (oder rutscht ab) verlierst du den Kontakt zum Roller und deine Stabilität. Ein ungewollter Abstieg oder Sturz vom Roller ist hier nicht selten! Außerdem kannst du bei dem Sprung leicht umknicken, und dir damit eine Bänderverletzung zuziehen.

Wichtige Regel ist daher: Nah am Brett bleiben!

Es macht keinen Sinn einen besonders hohen oder langandauernden Sprung durchzuführen. Das sieht weder gut aus, noch ist es effektiv. Ziel ist, einen ganz kleinen Hüpfer durchzuführen. Gerade so hoch, dass du auf das Brett kommst. Dadurch sind Weg und Zeit des Hüpfers minimiert und die Trefferwahrscheinlich maximal.

Stelle dir einen Seilspringer vor: Hüpft dieser 50cm hoch oder nur so viel, dass das Seil durchpasst?!

Mein Tipp: Erst probieren, wenn mindestens eine Standard-Technik zu 100% funktioniert. Dann zunächst einige Trockenübungen, damit der Bewegungsablauf klar ist. Anschließend Training auf dem Tretroller bei langsamer Geschwindigkeit. Helm nicht vergessen!…

 

Die Tritt-Technik

Es gibt zahlreiche verschiedene Tritt-Varianten mit unterschiedlichsten Vor- und Nachteilen. Ich möchte daher zunächst nur die Grundtechnik zeigen. Wird diese sicher beherrscht (was eine Weile dauern kann), kannst du mit erweiterten und dynamischeren Techniken beginnen.

Zunächst ist es wichtig, dass du ein paar grundlegende Dinge verinnerlichst, die für jede Abstoßtechnik gelten:

  • der Vortrieb wird durch den ganzen Körper erzeugt
  • die Arme sind die ganze Zeit gestreckt (mit leichter Beugung)
  • das Standbein ist hierbei wesentlich involviert, um die Energie aus dem Oberkörper in das Trittbein zu übertragen
  • das Knie des Standbein ragt nie nach vorne über den Standfuß hinaus
  • die Hüfte bleibt während des gesamten Ablaufs stabil (wird nicht abgeknickt und nicht gedreht)
  • die Bauchmuskulatur ist leicht angespannt (und ermöglicht so stabiles Fahren und eine effektive Kraftübertragung)
  • das Stoßbein überträgt die Energie auf den Boden, dabei wird in erster Linie der Ballen genutzt
  • Aufsetzpunkt ist leicht hinter dem Standbein – es soll gestoßen, nicht gezogen werden
  • das Stoßbein sollte nah am Roller geführt werden für maximale Stabilität und Effektivität

(Für fortgeschrittene Techniken gibt es leichte Abwandlungen. So wird zum Beispiel die Schwerpunktverlagerung durch Anheben der Ferse des Standbeins beim Schwung holen und Absenken beim Tritt unterstützt. Dies kannst du einbauen, sobald die Basics stimmen.)

Die Grundtechnik

Der Tritt beginnt mit einer stabilen Position auf dem Roller. Der gesamte Körper ist gerade nach vorne gerichtet. Arme gestreckt und Ellbogen auf einer Höhe (wie die ganze Zeit!), das Standbein ist ebenfalls gestreckt.

Zunächst wird das Stoßbein nach oben angehoben und dabei das Knie angewinkelt (wie beim Kniehebelauf). Das Knie sollte nicht höher als bis zur Hüfte gehoben werden (90° Winkel zwischen Körper und Oberschenkel). Je höher die Geschwindigkeit, desto höher der Hub. Der Unterschenkel bleibt dabei parallel zum Standbein. Der Fuß sollte entspannt nach unten hängen gelassen werden.

Das Herunterführen des Trittbeins erfolgt so, dass der Trittfuß hinter dem Knie des Standbeins den Boden berührt. Im Idealfall ist es auf Höhe des Knöchels des Standfußes. Der Punkt kann auch minimal hinter dem Standfuß liegen – das vereinfacht die Vorstellung am Anfang, bevor du den perfekten Spot findest. Das Trittbein sollte dabei natürlich aufgewinkelt werden, also sowohl Hüfte als auch Knie sollten sich gleichmäßig und gleichzeitig öffnen. Dies ist der natürliche Bewegungsablauf und fühlt sich auch am angenehmsten an. Kein Grund etwas zu verkünstlichen!

Der Abstoß erfolgt über den Tritt-Vorderfuß gerade nach hinten. Dabei gehst du mit dem Standbein leicht in die Hocke. Dies unterstützt die Kraftübertragung nach hinten. Der Weg des Abstoßens wird vergrößert und der gesamte Körper überträgt seine Energie auf das Trittbein und damit auf den Untergrund.

Das Trittbein wird geschwungen, bis es gerade ist und auch in einer Gerade zum Oberkörper liegt. Es sollte nicht unnatürlich nach oben durchgeschwungen werden und auch nicht einknicken. Dies würde zu Instabilität führen und die Fortbewegung ineffektiver machen.

Anschließend wird das Schwungbein wieder nach vorne in die Ausgangsposition geführt. Das Trittbein sollte dabei nicht nach vorne durchgeschwungen werden. Das sieht nicht nur seltsam aus, sondern ist auch ineffektiv. Dadurch verlagerst du den Schwerpunkt unnötig weit nach vorne. Und wenn du eine Masse nach vorne bewegst, entsteht eine Gegenkraft in die andere Richtung – also nach hinten und du wirst langsamer! Einfache Physik bremst dich dann aus.

Das war’s! Ganz einfach!

Mein Tipp: Langsam anfangen und viel Wert auf die Technik legen. Die Geschwindigkeit kommt von alleine. Wenn du kannst: jeden Tag einige Minuten trainieren (auch Trockenübungen auf einem erhöhten Untergrund sind gute Alternativen) – dies fördert dein Muskelgedächtnis und ermöglicht schnellere Fortschritte.

Fazit

Tretroller fahren hört sich komplizierter an, als es ist. Die Nähe zum Boden und die intuitive Fortbewegung machen rasche Fortschritte möglich, denn Tretroller fahren macht vom ersten Tag an Spaß! Die Grundtechniken sind dabei gar nicht so schwer zu erlernen und mit etwas Geduld wirst du deine Technik immer weiter verbessern und so effektiver und sicherer tretrollern!

 

Happy Rolling!

Du hast noch weitere coole Informationen? Du möchtest dich zu meinem Artikel äußern? Schreibe ganz einfach einen Kommentar und hilf dem Blog und anderen mit deinen Insights!

 

 

Bewerte diesen Artikel!
[Insgesamt: 0 Durchschnitt: 0]

Kommentare

  1. echt klasse, Dein Blok.
    Deine Begeisterung wirkt ansteckend 😉

    1. Autor

      Vielen Dank Armin,
      freut mich sehr zu hören!
      Falls es etwas gibt, wozu du mehr Infos brauchst, lass es mich wissen!
      Gruß

      1. Vielen Dank für die tolle und vor allem nachvollziehbare Beschreibung.
        Ich habe mir gestern meinen ersten Cityscooter bestellt und war etwas nervös, ob ich überhaupt ein Gefühl dafür habe. Bin eigentlich ein Sportmuffel, übergewichtig und saß das letzte mal vor über 25 Jahren auf nem Fahrrad. Daher dachte ich, ein Roller passt besser zu mir.
        Bin jetzt schon gespannt, wie ich deine Tipps unsetzen kann

        1. Autor

          Hallo Mara,
          vielen Dank für dein positives Feedback, das freut mich sehr!

          Der Beitrag hier dreht sich um klassische Tretroller, also um Roller, die ungefähr so groß sind wie Fahrräder. Diese gibt es in allen möglichen Varianten vom Downhill-Roller, über den Sport-Roller bis hin zum “Hunde-Roller”.

          Wenn du einen “Cityroller” gekauft ist ist das ein kleineres Gefährt und wird auch etwas anders gefahren! Der Artikel hier ist dann nur eingeschränkt anwendbar!

          Was für einen Roller hast du denn gekauft?

          Gruß Martin

          1. Leider ein No-Name-Produkt, aber es war das einzige, was laut Angaben mein Gewicht trägt. Die kleinen gehen ja nur bis zu einer Belastung von 120 kg. Da liege ich knapp drüber.
            Wenn du eine andere Idee hast, bin ich aber für jeden Tip dankbar. 😊

          2. Autor

            Hallo Mara,

            ach zum erstmal reinschnuppern braucht man auch nicht direkt das teuerste Spitzenmodell! Da muss es nicht zwingend eine Marke sein.

            Was die Belastungsgrenzen angeht muss man wissen, dass das statische Werte sind. Also wenn du etwas Dynamik ins Spiel bringst (plötzliche Richtungsänderungen, starkes Verzögern, Steigungen, Stufen, Hindernisse, Stunts ;D) dann kann der Roller schon so langsam an seine Grenze kommen. Der geht natürlich nicht sofort kaputt, aber man sollte es im Hinterkopf haben.

            Mehr Infos dazu und ein paar Vorschläge was Marken angeht findest du in meinem anderen Blogbeitrag: City Roller für Erwachsene – Das musst du wissen

            Viel Spaß!

Leave a Comment